Die Uhrenstube Aschau

Schauraum Turmuhren
Schauraum Turmuhren

Die Turmuhren und Bratenwender der Uhrenstube Aschau sind ein Teil der Uhrensammlung von Ing. Wolfgang Komzak, der 1963 mit dem Sammeln von antiken Uhren begann. Die Sammlung besteht aus Wand- und Konsoluhren, Bodenstanduhren, Uhren mit Musikspielwerken sowie anderen Uhren des 15. – 19. Jahrhunderts, den Stilperioden der Gotik und Renaissance, des Barock und des frühen Industriezeitalters. Schwerpunkt der Sammlung der Uhrenstube Aschau sind frühe geschmiedete Turmuhren der Gotik und Renaissance und solche mit Holzräderwerk.

Schauraum Bratenwende

Die Exponate stammen großteils aus Österreich, bzw. dem Kulturkreis der ehemaligen k.u.k. Monarchie. Der regionale Schwerpunkt der Sammlung erfaßt Turmuhren und Bratenwender des Burgenlandes, des Dreiländereckes Burgenland – Niederösterreich – der Steiermark und Westungarn.  Die älteste Turmuhr der Sammlung entstand um 1460 bis 1470 in Steyr, OÖ. Sie ist die älteste derzeit bekannte Turmuhr Österreichs. Eine weitere Turmuhr aus dem Burgenland, eine gotische Turmuhr aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts stand in der Pfarrkirche von Litzelsdorf.

Ein Höhepunkt der Sammlung sind einige Turmuhren und Bratenwender die zur Gänze aus Holz angefertigt wurden. Diese äußerst seltenen Werke sind Anziehungspunkt für viele internationale Fachleute. Ein wesentliches Merkmal der Sammlung besteht darin, daß in erster Linie das Werk der Uhr, das dieser erst Leben verleiht, in seiner technischen, handwerklichen und gestalterischen Vielfalt gezeigt wird.

Schaudepot Feldkasten
Schaudepot im Feldkasten

1973 erwarb Komzak die erste Turmuhr, ein Werk aus Oberösterreich das Anfang des 18. Jahrhunderts entstand. Seit damals verlagert sich der thematische Schwerpunkt der Sammlung immer mehr auf Turmuhren und Bratenwender (das sind Räderwerke zum Drehen von Bratspießen). 2002 gelangte die Sammlung des Veterinärs Dr. Julius Brachetka durch Schenkung in die Sammlung Komzak, darunter ein Prunkstück, die barocke Turmuhr der Pfarrkirche von Nickelsdorf im Burgenland. Dr. Brachetka, ein kreativer, vielseitiger Schöngeist, Träger des goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich und anderer hoher Auszeichnungen, war nach Ende des 2. Weltkrieges der erste Direktor des Tiergartens Schönbrunn. Er gilt als dessen Retter, da er die Menagerie, die damals ebenso wie Wien in Schutt und Asche lag, in dieser schweren Zeit wieder aufbaute. Die Schenkung der Sammlung von Dr. Brachetka war dann Anlaß für die Gründung der Uhrenstube Aschau, die im September 2003 im früheren Gästehaus von Komzak der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Die Sammlung bestand damals aus 16 Turmuhren und 7 Bratenwender. Bis heute ist der Bestand auf 64 Turmuhren und 27 Bratenwender gewachsen und damit zu einer der größten und vor allem auch  wegen seines umfangreichen Bestandes an gotischen Exponaten,  bedeutendsten Sammlungen in Mitteleuropa geworden. In den Schauräumen erklären Texttafeln Geschichte, Handwerk und Technik der Entwicklung der Uhren und Turmuhren anhand der ausgestellten Exemplare. Ein wesentliches Merkmal der Sammlung besteht darin, daß in erster Linie das Werk der Uhr, das dieser erst Leben verleiht, in seiner technischen, handwerklichen und gestaltenden Vielfalt gezeigt wird. Die meisten Werke sind funktionsfähig und werden während der Führungen in Gang gesetzt.

Die Uhrenstube besitzt auch eine umfangreiche Fachbibliothek mit Werken des 18. und 19. Jahrhunderts bis zu den jüngsten Ausgaben. Ein Archiv mit Dokumentationen, Archivalien, Grafiken und einer Sammlung verschiedener Daten steht nach Vereinbarung Fachleute und Interessierten zur Verfügung.

Feinmechanische Werkstätte

Ein wichtiger Bereich der Museumsarbeit ist die Restaurierung der Exponate und die Herstellung der Requisiten der musealen Präsentation. Diese Arbeiten werden in den  Werkstätten des Museums für Feinmechanik, Schlosserei- und Schmiedearbeiten, sowie für Holzbearbeitung und Drechslerei ausgeführt. Obwohl die Werkstätten weitgehend mit modernen, zeitgemäßen Maschinenund Geräten ausgestattet sind, werden diese eher zur Unterstützung  von Arbeiten in traditioneller Handwerkstechnik eingesetzt.  Hauptsächlich kommen aber Werkzeuge und Geräte zur Verwendung, die nach historischen Vorbildern nachgebaut wurden.

Teilansicht der Schmiede

Ziel der Restaurierung und Instandsetzung der Uhren ist neben deren Funktionsfähigkeit, die Authentizität der Werke durch die weitgehende Erhaltung des Originalzustandes und, soweit sinnvoll, auch deren Patina. Daher werden viele Uhren in dem Zustand gezeigt, in dem sie erworben wurden.Die Uhrenstube Aschau mit seinem Museum für Turmuhren und Bratenwendern ist heute das einzige seiner Art in Österreich. Das Museum ist nicht nur wegen seiner Sammlung früher Turmuhren aus der Gotik, Renaissance und dem Barock bekannt, sondern auch im Bereich Forschung, Publikation und Information in der Fachwelt international anerkannt. Träger des Museums ist der „Verein der Freunde der Uhrenstube Aschau im Burgenland“. Dieser ist gemeinnützig und nicht auf Gewinn ausgerichtet.

Die Vereinsziele des Museums sind:

  • Die Uhrenstube Aschau ist eine wissenschaftliche Institution. Schwerpunkt der Museumsarbeit ist in erster Linie die Erforschung von Zeitgeschichte und Zeitmessern anhand der Exponate des Museums der Uhrenstube Aschau ist, sowie deren Publikation in internationalen Fachmedien.
  • Die Sammlung von Turmuhren und Bratenwendern, wobei die Erhaltung, die Instandsetzung und Restaurierung der vorhandenen Exponate ebenso wie Neuanschaffungen ermöglicht werden sollen. Die Präsentation der Sammlung in dem Museum des Vereines.
  • Handwerk und die Technik der traditionellen Uhrmacher kann in Kursen und auch in Work- Shops für Fortgeschrittene erlernt werden. Weiters kann Interessierten durch die Mitarbeit bei der Restaurierung und Instandsetzung der Uhren der Sammlung die traditionellen handwerklichen Techniken der früheren Uhrmacher und der damit zusammenhängenden Gewerbe vermittelt werden (learning by doing).
  • Forschung. Da es auf dem Gebiet der frühen Turmuhren kaum Fachliteratur, oder nur  wenige Publikationen gibt, wird neben der Dokumentation dieser Werke und deren wissenschaftlichen Bearbeitung, auch die technisch-historische Entwicklung der Turmuhren und des traditionellen Uhrmacherhandwerkes erforscht und publiziert. Derzeit ist ein Forschungsprojekt über die Entwicklungswege der Turmuhren im Spätmittelalter in Europa mit Fachleuten aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und England  in Arbeit.
  • Bewußtseinsbildung und Publikation. Die Forschungsergebnisse werden in Zusammenarbeit mit fachlich einschlägigen Institutionen und Museen einem breiteren Publikum durch  Vorträge, Seminare und Exkursionen näher gebracht.

Exkursionen internationaler Institutionen zu der Uhrenstube Aschau und andere einschlägige Museen im Burgenland und die Steiermark, die von der Uhrenstube Aschau organisiert und geführt wurden:

2005 DGC, Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Nürnberg
2006 DGC, Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Arbeitskreis Turmuhren
2008 CHRONOS, Gesellschaft der Uhrenfreunde, Frankfurt
2010 AHS, Antiquarian Horological Society, Sussex (GB)
DGC
, Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Regionalkreis Franken
2011 AFAHA – Association Française des Amateurs d’Horologerie Ancienne,
Besançon (F),
Regionalkreis Wien der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie
2015 Česká starožitné hodiny společnosti, Tschechische Gesellschaft für antike Uhren, Prag

Internationale Anerkennung fand unter anderen die von Ing. Wolfgang Komzak restaurierte

  • barocke Turmuhr der Burg  Forchtenstein, die bereits als Schrott eingestuft wurde und
  • die Restaurierung der gotischen Turmuhr des Alten Rathauses von Schriesheim bei Heidelberg, der ältesten bekannten Turmuhr Deutschlands, aus der Zeit zwischen 1420 und 1440 (D).

Die dabei gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden in den Jahrbüchern der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie publiziert.

Weitere Publikationen von Ing. Wolfgang Komzak erschienen in den Jahrbüchern der

  • AFAHA – der Association Française des Amateurs d’Horologerie Ancienne, der
  • Chronometrophilia, der Schweizer Gesellschaft für Chronometrie und den
  • Jahrbüchern und Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie und
    anderen Fachzeitschriften, wie in
  • Kultur und Bildung, der Zeitschrift des Burgenländischen Volksbildungswerkes.

Partnerschaften mit Museen und einschlägigen Institutionen:

2004 wird die Uhrenstube Aschau in den “Official catalogue of ICOM – Museums
in Austria“ aufgenommen. Die ICOM, das “International Council of Museums“
ist eine Teilorganisation der UNESCO zur Bewahrung des Weltkulturerbes.
2005 Museumspartnerschaft mit dem Turmuhrenmuseums „Museo dell‘ Orologia
Pesarina“ in Italien.
2006 Mitglied des Österreichischen Museumsbundes und
Partnerschaft mit der DGC – der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie,
2008 Partnerschaft mit CHRONOS – der Gesellschaft der Uhrenfreunde Frankfurt
2010 Partnerschaft mit dem Turmuhrenmuseum Mindelheim in Mindelheim,
dem größten und bedeutendsten Turmuhrenmuseum in Deutschland
2011 Partnerschaft mit der AFAHA – der Association Française des Amateurs
d’Horologerie Ancienne,
2011 Partnerschaft mit dem Turmuhrenmuseum Neulußheim in Neulußheim (D)

 Ehrungen:

1975 Auszeichnung für Verdienste um den Denkmalschutz in Österreich durch       das Bundesministerium für Wissenschaft und Kultur
2012 wurde Ing. Wolfgang Komzak, das Bundesehrenzeichen der Republik
Österreich
für seine Verdienste auf dem Gebiet der Museumsarbeit verliehen.
2013 Ehrenzeichen  des Landes Burgenland für Verdienste um meine Museumsarbeit.
2014 Kulturpreis des Landes Burgenland, 1. Preis, die höchste Auszeichnung die im Kulturbereich des Burgenlandes vom Landeshauptmann verliehen wird.

 

Haus Nr. 49 mit Putzschnittfassade

Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch des unter Denkmalschutz stehenden Bauernhauses Aschau Nr. 49. Es ist eines der bedeutendsten burgenländischen Baudenkmäler dörflicher Architektur des frühen 19. Jahrhunderts. Mit seiner Errichtung im Jahr 1820 beginnt eine Blütezeit des dörflichen Bauens im Bezirk Oberwart, die in der Folge die Entwicklung der dörflichen Architektur in den angrenzenden Gebieten Ungarns, der Slowakei und Österreichs maßgeblich beeinflußte. Ursache waren die Reformen Kaiser Josef II, wie  die Aufhebung der Leibeigenschaft, die eine Wende von der „leibeigen-bäuerlichen“ zur „bürgerlich-bäuerlichen“ Gesellschaft bewirkte.

Gewölbe mit  Auszier in Putzschnitt-technik  in der Hinterstube

Diesem neuen Bewußtsein kam auch die Aufhebung der Ziegelpatente der Grundherrschaft entgegen, die massive Bauten mit Arkaden und komplizierten Gewölbekonstruktionen ermöglichten. Die Gliederung und Auszier der Fassaden und Innenräume des Hauses richtete sich durchwegs nach Prestigeformen herrschaftlichen Bauens. In den Durchzugsbaum der Holzbalkendecke in der Vorderstube aber war neben der Jahreszahl  der Erbauung, vielfach mit mystisch-abergläubischen Symbolen wie einem Siebenstern und Sonnenrädern eingeschnitzt.

 

Vorderstube mit dem großen Tisch

In der Vorderstube steht auch der große Bauerntisch als Symbol der Gemeinschaft des Freundeskreises. Die original erhaltenen Räume, die auch bewohnt werden, bilden gemeinsam mit den archaischen Turmuhrwerken des Museums eine sehenswerte Einheit. Gemeinsam mit dem Schaudepot für nicht restaurierte Turmuhrwerke des Museums, einem aus Holz gezimmertem Feldkasten (Speichergebäude) aus dem Jahr 1765 – dem Museum, das 1894 erbaut wurde, sowie den angrenzenden Restaurierwerkstätten des Museums bilden diese Gebäuden bereits ein kleines Museumsdorf.

 

Würden Sie gerne mitmachen?
Dann heißen wir Sie als Mitglied in unserem Freundeskreis herzlich willkommen. Der „Verein der Freunde der Uhrenstube Aschau im Burgenland“ lebt vor allem von Förderungen und Unterstützung und ist daher jederzeit für Ihre Hilfe durch Spenden, einen Förderbetrag, oder auch für Ihre tätige Mithilfe dankbar.

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe.

Ing. Wolfgang Komzak
Uhrenstube Aschau
Museum für Turmuhren und Bratenwender